
Foto: extinctionrebellion_bordeaux
Liebe:r Rebell:in
Viele denken, dass sich Extinction Rebellion nur um Proteste dreht, bei denen Menschen verhaftet werden, aber es geht um so viel mehr. Viele sehr engagierte Freiwillige arbeiten hinter den Kulissen daran, die Bewegung in Ländern auf der ganzen Welt am Laufen zu halten. Ob du protestierst, organisierst, auf Social Media postest, uns finanziell unterstützt oder unsere Ziele teilst und mithilfst, sie bekannt zu machen – du bist wichtig. Unsere Bewegung ist ein grosses Zelt und wir sind dankbar, dass du mit uns hier bist.
Dieser Newsletter wird dir von XR Global Support präsentiert, einem weltweiten Netzwerk von Rebell:innen, die dazu beitragen, dass unsere Bewegung wachsen kann, und die finanzielle Unterstützung brauchen, um diese wichtige Arbeit fortsetzen zu können.
XR GLOBAL CLIMATE JUSTICE CAMPAIGN
Aktions-Highlights
Mai 2026 | XR Roma


Fotos: @XR Roma, @XR Parma and @XR Italia
Als Teil des Generalstreiks gegen die Kriegswirtschaft führte Extinction Rebellion Roma zusammen mit Extinction Rebellion Parma und Extinction Rebellion Italia im May 2026 bei Ente Nazionale Idrocarburi, dem Hauptsitz des multinationalen italienischen Energiekonzerns, eine symbolische direkte Aktion durch. Sie färbten das Wasser des European Union Lake grün und entrollten ein grosses Banner, auf welchem das Firmenlogo die palästinensische Flagge verbrennt. Die Aktion sollte die Zusammenhänge zwischen der Förderung fossiler Brennstoffe, Militarismus und Umweltzerstörung aufzeigen und die Aufmerksamkeit auf die Zusammenarbeit von ENI mit Delek lenken, einer Firma, die als wichtiger Brennstofflieferant des israelischen Militärs gilt. Aktivist:innen nutzten die Aktion, um auf die weitreichenden ökologischen und sozialen Auswirkungen von ENIs Tätigkeiten aufmerksam zu machen und verwiesen auf ENIs Aktivitäten in Gemeinschaften auf der ganzen Welt, die unter Umweltverschmutzung, ökologischer Zerstörung und damit verbundenen Gesundheitsproblemen leiden. Bei der Protestaktion wurde zudem die Rolle grosser Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie bei der Entstehung von Treibhausgasemissionen und ihr Beitrag zur Klimakrise hervorgehoben.
Die Protestaktion markierte den Beginn von «Spring Democracy», einer internationalen Mobilisationswelle, in deren Rahmen Bewegungen für Klimagerechtigkeit und Antimilitarismus im kommenden Monat in ganz Europa koordinierte Aktionen durchführen werden. Teilnehmer:innen argumentierten, dass Umweltzerstörung, bewaffnete Konflikte und soziale Ungerechtigkeit zusammenhängende Folgen eines Wirtschaftsmodells sind, das auf der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, der Förderung von Ressourcen und dem Streben nach unendlichem Wachstum beruht. Durch diese Aktion forderte XR mehr Rechenschaft von Firmen, die von Umweltzerstörung und Konflikten profitieren, und appellierte gleichzeitig an Regierungen und Gemeinschaften, den Übergang zu Frieden, Klimagerechtigkeit und gerechteren Wirtschaftssystemen zu unterstützen.

Foto: @extinctionrebellion_bordeaux
Mai 2026 | XR Bordeaux
Extinction Rebellion Bordeaux ist mit einer lauten und farbenfrohen Parade in den Pride Month gestartet und hat unsere ökologische, queere und antifaschistische Bewegung gefeiert. Mehr Fotos: @extinctionrebellion_bordeaux
Muss man gelesen haben
Kriminalisierung von Klimaprotesten in Grossbritannien ist laut Studie kontraproduktiv - The Guardian
Eine Studie mit 1’375 Klimaaktivist:innen hat herausgefunden, dass Verhaftungen, Bussen und Gefängnisstrafen ihre Entschlossenheit, direkte Aktionen durchzuführen, sogar noch verstärken. Anstatt Proteste zu unterbinden, verschärfen strengere rechtliche Massnahmen die Unzufriedenheit und fördern noch störendere Aktionsformen. Die anonyme Umfrage, die über die XR-Mailing-Liste verschickt wurde, kommt zu dem Schluss, dass Staaten und Regierungen sich eher auf die Bestrafung von Dissens konzentrieren, anstatt Klimaprobleme anzugehen, und empfiehlt, von einer Kriminalisierung von Klimaprotesten abzusehen, da Bestrafung als unvereinbar mit der liberalen Demokratie angesehen werden kann. Der Artikel geht über Klimaaktivismus hinaus und stellt eine grössere Frage: Was passiert, wenn Regierungen abweichende Meinungen über Themen, die uns alle betreffen, unter Strafe stellen? Er liefert Belege dafür, dass harte Reaktionen nach hinten losgehen. In einer Zeit, in der neue Gesetze leise neu definieren, welche Protestformen überhaupt noch legal sind, liefert er Fakten für eine eigene Meinungsbildung.
Patagonia verklagt Dragqueen Pattie Gonia wegen Markenrechtsverletzung - The Guardian
Patagonia hat eine Klage wegen Markenrechtsverletzung gegen Pattie Gonia eingereicht, eine umweltbewusste Dragqueen, die fast $4 Mio. für gemeinnützige Klimaorganisationen gesammelt hat. Im Mittelpunkt der Klage steht die von Pattie Gonia im September 2025 eingereichte Markenanmeldung für den Namen «Pattie Gonia», die laut Patagonia eine langfristige Bedrohung für die eigene Marke darstellt, da sie sich mit der Bekleidungs- und Umweltarbeit des Unternehmens überschneidet. Der Streit wurde im Mai öffentlich bekannt, als Pattie Gonia Patagonia in einem Post auf Instagram beschuldigte, «eine Aktivistin auslöschen» zu wollen. Darauf reagierte Patagonia mit einer Liste von Forderungen: die Rücknahme aller Markenanmeldungen, die Einstellung der Nutzung ihrer Logos und die Einstellung des Verkaufs von Merchandising-Artikeln unter dem Namen Pattie Gonia. Hier wird es für Patagonia unangenehm. Die Marke hat ihre gesamte Identität auf Umweltaktivismus, Nachhaltigkeit und gute Taten für die Welt aufgebaut – und setzt ihre rechtlichen Mittel nun gegen eine Klimaaktivistin mit mehr als 2 Millionen Followern ein, welche die Klage als «Verrat an der Kernaufgabe des Unternehmens» bezeichnet hat. Eine queere Klimaaktivistin zu verklagen und Gelder, die für den Planeten bestimmt sind, zu verschwenden, während man vorgibt, sich um den Planeten zu sorgen, ist genau die Art von Widerspruch, die das Vertrauen in den Unternehmensumweltschutz untergräbt.
Aktion des Monats
Wir wissen, dass sich nicht jede:r an einer XR-Aktion beteiligen kann, aber heutzutage fühlen sich E-Mails an politische Vertreter:innen und Recycling einfach nicht mehr nach genug an. Deshalb möchten wir ein paar Möglichkeiten für Leute vorschlagen, die sich an lokalem Aktivismus beteiligen möchten.
Heute sprechen wir über Flüsse und Bäche.
Suche zuerst einen Fluss oder einen Bach in deiner Nähe und finde heraus, wohin er fliesst – von der Quelle bis zur Stelle, wo er in einen grösseren Fluss, einen See oder ins Meer mündet. Besuche dann so viel des Flusses oder Bachs wie du kannst. Wie wild ist er? Wie sauber ist er? Verbringen Leute ihre Freizeit dort? Brauchen sie ihn, um Pflanzen zu bewässern? Sind Teile kanalisiert oder überbaut? Welche Tiere leben in seiner Nähe? Je nachdem, wo du lebst, führt dein Fluss oder Bach vielleicht nur einmal im Jahr Wasser. Er zählt trotzdem.
Adoptiere als nächstes den Fluss oder Bach. Müllsammeln ist ein guter Start. Bring deine Freund:innen mit, wenn du kannst, und plan, das mindestens einmal pro Jahr zu machen. Vielleicht wird dein Müllsammeln zu einer riesigen lokalen Tradition mit hunderten Freiwilligen, die zusammen mehrere Kilometer abdecken. Vielleicht findest du eine andere Bedrohung für deinen Fluss, gegen die du etwas tun kannst. Vielleicht kannst du an einem Citizen-Science-Projekt teilnehmen oder anfangen, anderen von deinem Fluss und seinen Problemen zu erzählen. Und vielleicht besuchst du den Fluss einfach manchmal und sammelst einmal pro Jahr Müll ein. Was du aus dem Projekt machst, hängt von deinen Interessen, Fähigkeiten und Ressourcen ab, die ganz anders sein können als bei anderen.
Wichtig ist, dass du deinen Fluss findest.
Buchbesprechung: Was wir Wissen können von Ian McKewan

Ian McKewan ist ein produktiver englischer Romanautor, der vor allem für Bücher wie Abbitte und Kindeswohl bekannt ist, welche beide verfilmt und von Kritiker:innen gelobt wurden. Jetzt widmet sich McKewan der Klimakrise. Er nähert sich dem Thema aus der Perspektive an, die er kennt und selbst erlebt – Schriftsteller:innen in England und Menschen, die sich mit englischen Schriftsteller:innen befassen. Die erste Hälfte des Buches spielt in der Zukunft, in der sich die Auswirkungen der Klimakrise in vollem Umfang gezeigt und die Geografie sowie den Alltag im Vereinigten Königreich erheblich verändert haben. Die zweite Hälfte kehrt in die Gegenwart zurück, in der einige Menschen versuchen, Veränderungen voranzutreiben, die meisten jedoch zu sehr in ihr eigenes Leben und ihre Beziehungen vertieft sind, um zu begreifen, was auf dem Spiel steht. Der Titel ist fast schon eine Frage – können wir jemals wirklich wissen, was in der Vergangenheit passiert ist? Können wir jemals wirklich wissen, wie das Leben anderer ist? Trotz der schweren Thematik ist «Was wir wissen können» ein äusserst lesenswerter Roman und könnte eine einzigartige Möglichkeit sein, das Thema Klimakrise bei all jenen ins Bewusstsein zu rücken, die der Meinung sind, ökologische Belange seien nicht ihr Problem.
Positive Lektüre
Nach zwei Monaten hat der Irankrieg das globale Energiesystem für immer verändert - Grist
Der Ausbruch des Irankriegs und die Blockade der strategisch wichtigen Strasse von Hormus haben dazu geführt, dass 20% der globalen Öl- und Flüssiggaslieferungen unterbrochen wurden, und haben damit eine historische Energiekrise ausgelöst. Weil aber moderne, erneuerbare Alternativen günstig und wirtschaftlich sind, wird dieser Unterbruch zum ultimativen Katalysator für einen endgültigen Bruch mit der Dominanz fossiler Brennstoffe und einen schnelleren Weg in eine saubere Zukunft. Während Öl- und Gasvorräte abnehmen, verzeichnen saubere Energiealternativen wie Solarenergie weltweit einen rasanten Anstieg und erreichen Rekordwerte bei ihrer Verbreitung. Auch wenn Staaten temporär alte Kohlekraftwerke benutzen, um die Stromnetzwerke während der Energiewende stabil zu halten, beschleunigt die Krise letztendlich einen historischen, dauerhaften Wandel hin zu sicheren, eigenständigen und klimaneutralen Energieunabhängigkeit. Der Grist Newsletter liefert weitere Informationen über den Weg der Welt hin zu alternativen Energiesystemen.
Solutions Desk - Umweltjournalismus und -bildung - Mongabay
Auch wenn es lösungsorientierten Journalismus, der sich nicht nur auf die Probleme, sondern auch auf die Antworten darauf konzentriert, seit mehr als 25 Jahren gibt, ist er im Klimakontext nicht sehr verbreitet. Ihm wird zwar manchmal vorgeworfen, es handle sich nur um «Wohlfühl-Artikel», aber diese Form des Journalismus ist sehr wichtig für Menschen, die versuchen zu verstehen, wie sie mit ihren Klimaschutzbemühungen weltweit maximale Wirkung erzielen können. Das online Magazin Mongabay ist bekannt für seine Klimaberichterstattung und hat neu ein Solutions Desk, welches Resultate – positive wie negative – realer Klimaprojekte auf der ganzen Welt hervorhebt.
Kurzvideo
"The Business of Adapting to Flood Risk" anschauen - Bloomberg
Treibhausgase umhüllen die Erde und erwärmen unser Klima, was wiederum zu einem raschen Schmelzen der Gletscher und zu einer thermischen Ausdehnung der Ozeane führt. Die Konsequenz ist ein drastischer Anstieg des Meeresspiegels, der zerstörerische Überschwemmungen auf der ganzen Welt auslöst, welche jährlich rund die Hälfte aller weltweiten Naturkatastrophen ausmachen.
DiesesVideo befasst sich mit den ehrgeizigen und extrem teuren Projekten, die versuchen, Küstenmetropolen vor der drohenden Katastrophe zu beschützen. Gigantische Küstenschutzmauern sichern die Küste von Jakarta, riesige Betontunnel liegen unter einem Vorort Tokyos verborgen – eine Naturkatastrophe kann in wenigen Stunden Schäden in Milliardenhöhe verursachen, aber frühzeitige Investitionen in solche Schutzmassnahmen in Hochrisikogebieten können diese Kosten erheblich senken. Diese Art von Infrastruktur ist immer mehr gefragt auf einem Planeten, auf dem Naturkatastrophen allein im Jahr 2024 Schäden in Höhe von $320 Milliarden verursacht haben.
Doch trotz ihrer Wirksamkeit und, oftmals, ihrer Notwendigkeit sind diese aufwendigen Projekte äusserst teuer und mit erheblichen Eingriffen verbunden. Küstenschutzmauern können beispielsweise Häfen blockieren und ganze Gemeinschaften, die von der Fischerei leben, davon abschneiden. Andere Vorschläge scheinen übertrieben, wie etwa die Verlegung der gesamten Hauptstadt von Indonesien an einen weiter vom Ozean gelegenen Ort. Ärmere Länder können sich solche Projekte schlichtweg nicht leisten; aufgrund ihrer begrenzten Anpassungsfähigkeit sind sie Naturkatastrophen gegenüber extrem anfällig.
Am Ende sind diese teuren Schutzmassnahmen keine dauerhaften Lösungen, weil sie die Auslöser der Klimakrise nicht angehen. Wenn die Gründe für den schnellen globalen Temperaturanstieg nicht angegangen werden, müssen die Küstenschutzmauern immer höher gebaut und die Fluttunnel immer tiefer gegraben werden. Können wir glücklich leben in einer Gesellschaft, die sich immer auf Katastrophen einstellen muss, die noch grösser und tödlicher sind als die vorherigen? Es bringt nichts, ein Pflaster auf eine Schusswunde zu kleben; wir müssen die tiefen Wunden heilen, die unsere Erde quälen.
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